Zorneding, 23.05.2014

Sehr geehrte Frau Wiegand,

ich möchte mich bei Ihnen und Ihrem Team auf diesem Wege noch einmal für die Betreuung meines Vaters, Herrn H. C., im Maria-Stadler-Haus bedanken.
Er war am 9. Januar dieses Jahres dort eingezogen, weil die häuslichen Verhältnisse es nicht mehr erlaubt hatten, ihn dort angemessen zu versorgen. Über diese Entwicklung in seinem Leben war er verzweifelt und blieb es bis zum Schluss. Er litt sehr unter der Trennung von seiner Frau, obwohl meine Mutter jeden Tag mehrere Stunden bei ihm war. Aber den Verlust der vertrauten Wohnung und des gewohnten Umfeldes konnte er nicht verkraften. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich zusehends. Jedoch war er immer bei Sinnen, erkannte seine Lage genau und sprach von sich immer wieder als einem „Trümmerhaufen“. Er, der ein sehr aktiver, heiterer, sportlicher Mensch war, war nun auf den Rollstuhl und die Hilfe anderer Menschen angewiesen – ein Umstand, der ihn in Depressionen versetzte.
Die Pflegekräfte im Maria-Stadler-Haus bemühten sich sehr um ihn. Bis zum Ende sahen wir ihn gut und liebevoll versorgt. Auch ergaben sich viele kleine, hilfreiche Gespräche im persönlichen Umgang. Wir erlebten das Personal als mitfühlend und immer zur Stelle, wenn wir jemand brauchten. Der aktive Einsatz der Pflegenden für Schmerzfreiheit war für uns sehr wichtig. Den Menschen, die dort arbeiten, gilt unser Dank und unser Respekt für ihr Engagement in diesem wahrhaft anspruchsvollen und oft schweren Beruf.
Als uns klar war, dass mein Vater nicht mehr lang leben würde, habe ich Sie um Unterstützung gebeten. Meine Mutter war zunächst skeptisch, auch, weil sie über die Hospizbewegung nichts wusste. Diese Einstellung wich schnell einer Erleichterung und Dankbarkeit, nicht alles alleine tragen zu müssen. Für sie war es ganz besonders schlimm zuschauen zu müssen, wie ihr Mann verfiel, und nichts tun zu können. Ganz besonders möchte ich die Begegnungen mit Herrn Ludwig erwähnen, der uns mit seiner herzlichen und einfühlsamen Wesensart bis zum Tod meines Vaters am 7. Mai 2014 eine große Stütze war.
Ich persönlich habe von Ihnen sehr viel gelernt. Mit dem Tod wollte ich nie etwas zu tun haben. Ich habe mich – wie wahrscheinlich die meisten Menschen – davor gefürchtet. So, wie unsere Gesellschaft heutzutage organisiert ist, muss man damit ja nicht Berührung kommen. Ihr Umgang mit dem Sterbenden hat mir gezeigt, dass das ganz natürlich ist, und mir auch die Kraft gegeben, bis zum Tod bei meinem Vater zu bleiben. Als sein Herz aufgehört hat zu schlagen, habe ich seinen Kopf in meinen Händen gehalten. Das war furchtbar, und trotzdem gut so. Auf diese Weise habe ich ihn in Frieden gehen lassen können, was mir und meiner Mutter jetzt sehr hilft.
Danke für alles!

Ihre U. R.